Texte, Gebete, Predigten und Kirchenmusik in Zeiten des Coronavirus

Diese Seite ist ein Archiv, in welchem auf der Webseite (home) Publiziertes chronologisch aufgeführt wird.

Interessante und wertvolle Beiträge aus den Wochen, in welchen die Gottesdienste in Mariastein nicht öffentlich sind, können hier nachgelesen, rsp. nachgehört werden.


Dienstag, 1. September 2020

Zum Trost -  ein WORT   
   
«Jesus, du lässt mich nicht im Stich und lässt mich nie fallen. Schärfe das Hören und Sehen meines Herzens, dass ich dich wahrnehme, der du mich nicht im Lärm und Getriebe der Umwelt, sondern sachte und leise ansprichst. Danke, Jesus, dass du für mich da bist, und dass ich dir folgen darf in meinem alltäglichen Leben.
Dir sei Lob und Preis, gemeinsam mit dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt und allezeit. Amen».

Obiger Text erinnert mich an die Bitte Salomos:

«Herr, schenk deinem Knecht ein hörendes Herz» (1 Kön 3,9).

Hören und Lieben, das ist untrennbar. Kürzlich habe ich gelesen: Wer liebt, ist ganz Ohr.


Der Text weist auch hin auf die Begegnung des Elija mit Gott.

In 1 Kön19, 12.14 steht:

« …es kam ein leises, sanftes Säuseln… da vernahm Elija eine Stimme…»


Im Gebet oben heisst es:

«…der du mich nicht im Lärm und Getriebe der Umwelt, sondern sachte und leise ansprichst».


Und noch etwas gefällt mir in diesem Gebet und klingt in mir nach:

«Danke, Jesus, dass du für mich da bist, und dass ich dir folgen darf in meinem alltäglichen Leben».


P. Augustin Grossheutschi


Freitag, 14. August 2020

Zum Trost- ein WORT

Bete, als hinge alles von Gott ab.
Handle, als hinge alles von dir ab.
(Hl. Augustin)

Die beiden Worte «bete und handle» erinnern an das seit Jahrhunderten den Benediktinern zugeschriebene Lebensmotto «ora et labora», «bete und arbeite».
Kurz und bündig bringen diese beiden Worte die Regel des heiligen Benedikt in eine Zusammenfassung, nach der die Frauen und Männer in seinen Klöstern zu leben sich bemühen.

Ist es jedoch nicht auch eine Kurzfassung des christlichen Lebens überhaupt?

Zu den beiden heiligen Ordensgründern Augustin und Benedikt, gesellt sich ein dritter:
Franziskus; er betet:


«Gib mir, Herr, Empfinden und Erkennen, damit ich
 deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle».

P. Augustin Grossheutschi


Zum Trost – ein WORT       


Während des Mahls nahm Jesus das Brot
und sprach den Lobpreis;
dann brach er das Brot,
reichte es den Jüngern und sagte:
Nehmt und esst:
Das ist mein Leib. (Mt 26, 26)


Während der Corona-Zeit bitten wir jeweils
vor dem Kommunionempfang die Gläubigen,
die die Messe mitfeiern, die heilige Kommunion
mit der Hand zu empfangen.
Der Kommunionempfang ist ein Geben und Nehmen.
Die Kommunion selber ist eine Begegnung zwischen Gott und dem Menschen; und diese Verbindung manifestiert sich über die Hände, die dabei eine wichtige Rolle spielen.
Romano Guardini nennt in diesem Zusammenhang
 die Hände «Spiegel der Seele».

Offene Hände, zu einer Schale geformt, werden zu einer Geste der Bedürftigkeit und bringen Vertrauen und Entgegenkommen
zum Ausdruck.
Entscheidend ist beim Geben und beim Nehmen unser Glaube.

P. Augustin Grossheutschi

 

 


Mittwoch, 24. Juni 2020

Zum Trost - ein WORT

Gott weiss,
dass ich da bin.
Das genügt mir.
Papst Johannes XXIII.


In glücklichen und auch in belastenden Zeiten
ist Gott für mich da.
Er weiss um mich
und sorgt für mich
mit Güte und Verständnis,
mit Barmherzigkeit und Treue.
Das ist Grund genug,
auf ihn
und auf seine mich bejahende Liebe zu vertrauen,
denn

«Wer Gott, dem Allerhöchsten traut,
der hat auf keinen Sand gebaut».
(KG 541)

P. Augustin Grossheutschi


Samstag, 20. Juni 2020

 Zum Trost - ein WORT

Jesus sagt:

«Macht euch auf. Bringt Frucht.
Liebt einander». (Joh 15, 16.17.)


«Macht euch auf»:
Nicht alle müssen an die Grenzen der Erde gehen.
Die Wege von Mensch zu Mensch,
von Herz zu Herz,
sind oft viel weiter als der Weg
bis ans Ende der Welt.
Wo Gutes getan wird, da ist der Geist Gottes am Werk.

«Bringt Frucht».
Im Brief an die Galater (5,22.23)
Nennt Paulus als «Früchte des Geistes»:
Liebe, Freude, Friede, Geduld,
Freundlichkeit, Güte,
Sanftmut und Selbstbeherrschung.
Wir können sagen:
Alles Gute, das wir tun, ist «Frucht des Geistes».

«Liebt einander».
Massgebend ist, dass wir das, was wir tun,
gut machen: sei es: reden, zuhören, helfen,
lernen, beten, essen, schlafen;
entscheidend ist letztlich, dass wir uns
von der Liebe leiten lassen.

P. Augustin Grossheutschi


Sonntag, 31. Mai 2020

Der Heilige Geistes im Schalldeckel der Kanzel unserer Klosterkirche.
«Als Jesus aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.»
Der Heilige Geist möge auf die Prediger herabkommen und sie inspirieren!

VENI SANCTE SPIRITUS – KOMM HEILIGER GEIST!

Der Geist des Herrn durchweht die Welt
gewaltig und unbändig;
wohin sein Feueratem fällt,
wird Gottes Reich lebendig.
Da schreitet Christus durch die Zeit
in seiner Kirche Pilgerkleid,
Gott lobend: HALLELUJA!

 Zum Trost - ein WORT

«Wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können …»  (Römerbrief 8,26)» 


Seufz! Seufz!

«Wie lange noch …?» – so seufzten in den letzten Wochen unzählige Menschen: Wie lange noch soll das dauern mit der Corona-Krise? Nun zeichnet sich ab, dass sich mehr und mehr eine gewisse Normalität einstellt, allerdings verbunden mit aufwendigen, teils lästigen, teils umständlichen Massnahmen und Bestimmungen, die offenbar weiterhin nötig sind, um ein Wiederaufflammen der Pandemie zu verhindern. Der Seufzer also wird nicht so bald verstummen: Wie lange noch …! Auch die Feier der Gottesdienste ist von diesem Krisensze-nario und von mancherlei Einschränkungen bestimmt.
Wappnen wir uns also mit Ausdauer und achten in dieser schwierigen Lage auf die geheimnisvolle Präsenz des Heiligen Geistes, des göttlichen Atems. Er kommt eben nicht nur in Sturmesbrausen und Feuerflammen daher, wie es den Aposteln am Pfingstfest in Jerusalem widerfuhr. Auch im wortlosen Seufzen in der Tiefe unseres Herzens wird seine Flügelschlag spürbar, wie ein sanftes Streicheln macht sich seine Menschenfreundlichkeit bemerkbar. Da gibt es keine Distanzregeln, kein Abstandhalten, nein, ganz nah ist er in uns und mit uns und vermittelt uns etwas von dem, was wir in dieser Zeit besonders nötig haben: Ermutigung, Inspiration, Geduld, Trost, Freundlichkeit, Aufmunterung, ein Aufatmen, Beharrlichkeit im Gebet und auch etwas Heiterkeit.
Bitten wir und hoffen wir, dass das Seufzen des Heiligen Geistes mächtig anschwelle und sich bald wieder artikulieren wird im gemeinsamen Singen. Bis es so weit, dürfen wir, angetrieben vom Heiligen Geist, getrost weiter seufzen und beten: «Wie lange noch!»

Abt Peter von Sury


Donnerstag, 21. Mai 2020

Cappella di S. Maria degli Angeli auf der Alpe Foppa / Monte Tamaro, Tessin, Schweiz. Entworfen ab 1990 von Mario Botta, erbaut zwischen 1992 und 1994.

Zum Trost - ein WORT

Christi Himmelfahrt

Unser eigentliches Zuhause ist nicht ein bestimmter Ort, sondern ein bestimmter Zustand. Ich bin dort zu Hause, wo ich verstanden werde, wo ich Zuwendung und Freundschaft erfahre. Mit andern Worten: Dort, wo ich glücklich bin, ist meine Heimat. Genau das meint Jesus: Himmel ist für ihn der Zustand, wo alle in frohem und liebevollem Zusammensein beim Vater sind. Somit ist Himmelfahrt der Weg zum Vater.
Auf diesem Weg ist Jesus uns vorausgegangen, um uns in die ewige Heimat, in unser ewiges Zuhause zu führen. Paulus drückt es so aus: «Unsere Heimat ist im Himmel» (Phil 3,20). So ist es gut, zu wissen, wohin wir gehören. Jesus ist also beim Vater, aber er ist zugleich unter uns geblieben. Er hat uns nicht verlassen, sondern uns seinen Geist geschenkt: «Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen», so überliefert Lukas die Worte Jesu in der Apostelgeschichte.  Im heutigen Evangelium spricht Jesus: «Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt» (Mt 28,20).
In der Verbundenheit mit ihm kann es schon hier und jetzt unter uns Himmel geben: überall da wo wir Lebensumstände schaffen, in denen sich Menschen geborgen, frei und froh fühlen können. Wo Menschen einander in Liebe begegnen, «ubi caritas et amor, ibi deus ist» «wo die Liebe und die Güte ist, da ist Gott». Wo Menschen sich Vertrauen schenken, wo sie Gerechtigkeit schaffen, wo sie einander helfen, sich ermutigen und einander die Hände reichen, da ist Jesus, da ist der Himmel.

P. Ludwig Ziegerer


Kraft, Hoffnung und Zuversicht

Jeder und jede einzelne, die ganze Gesellschaft erlebt im Moment den eigenen Karfreitag. Aber wir wissen es, nach Karfreitag kommt Ostern.

Jesus ist auferstanden, Gott hat seinen Sohn auferweckt
die Nacht weicht einem neuen Morgen
das dürre Holz weicht dem jungen Grün
Du, Gott führst uns aus dem Dunkel ins Licht
Aus der Ohnmacht zu neuer Kraft
Aus dem Tod ins Leben
Ostern

Olivia Forrer, Wallfahrtsassistentin

Wir wünschen Ihnen viel Kraft, Hoffnung und Zuversicht!
Zum Download: Gebet für Corona-Virus-Betroffene und andere.

Osterkerze Mariastein:
Das Licht von Ostern tritt auch in die engen Räume, in die wir eingeschlossen sind (sehr schön auf der Osterkerze von P. Armin).
Vgl Joh 20,19: Am Abend des ersten Tages nach dem Sabbat (=Sonntag), als die Jünger glaubten, sich einschliessen zu müssen, kam Jesus, trat durch verschlossene Türen in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Da freuten sich die Jünger. Und die Jünger sind auch wir!
P. Leonhard Sexauer


An der großen Orgel der Basilika spielen der Kirchenmusiker des Klosters Mariastein, Christoph Anzböck

Johann Sebastian Bach: Präludium G-Dur BWV 541

Ein Werk von übersprühender Freude und Lebendigkeit, ein grosser Osterjubel - so kann man das Präludium in G-Dur BWV 541 von Johann Sebastian Bach bezeichnen, das passend zum 2. Sonntag der Osterzeit erklingt.

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Samstag, 6. Mai 2020

Zum Trost - ein WORT

Er beschirmt dich mit seinen Flügeln (Psalm 91)


«Wer im Schutz des Höchsten  wohnt,
der ruht im Schatten des Allmächtigen.
Ich sage zum HERRN: Du meine Zuflucht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich vertraue.»

Das John-Hopkins-lnstitut in den Vereinigten Staaten gibt heute (Stand: 6. Mai 2020) 3'680'376 Infizierte weltweit und 257'818 Tote an. Die Tendenz ist leider steigend sowohl bei den Infizierten als auch bei den Todesfällen. Erschreckend, man könnte verzweifeln!


«Er beschirmt dich mit seinen Flügeln,
unter seinen Schwingen findest du Zuflucht,
Schild und Schutz ist seine Treue.»


Dagegen halte ich Psalm 91, und dieser beruhigt mich, sagt mir, dass Gott mich mit seinen Flügeln beschirmt. Beschirmen heisst beschützen. Eine wohlige Wärme macht sich in meinem Inneren breit. Gott beschützt mich, er lässt das Geschöpf, welches ER selbst ja erschaffen hat, nicht fallen. Niemals!


«Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten,
noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag.»


Ich muss mich vor der Dunkelheit der Nacht nicht fürchten: es fallen mir die klei­nen Kinder ein, die, einmal wach, des Nachts grosse Angst haben. Und bei einigen muss die Mutter dann sogar das Licht anzünden, denn das Kind lässt sich einfach nicht beruhigen.
Die Nacht hat ihre Schrecken, aber auch dies braucht mich nicht zu beunruhigen. Kann ich Gott auch nicht sehen, er ist immer bei mir, auch  wenn es dunkel  ist, und ich mich fürchte. Und jetzt kommt' s: Ich muss mich weder vor «der Seuche, die wütet am Mittag» noch vor der unberechenbaren «Pest, die im Finstern schleicht» fürchten.
Seit einiger Zeit hat die Seuche einen Namen bekommen, Corona-Virus oder Covid -19. Aber auch im Angesicht dieser Plage, welche die ganze Welt heimsucht, brauche ich mich nicht zu fürchten, «denn ER ist ja bei mir». Da ist sie wieder, die wohlige Wärme.


«Fallen auch tausend an deiner Seite,
dir zur Rechten zehnmal tausend,
so wird es dich nicht treffen.»


Aber nicht genug: Gott gibt dem gläubigen Menschen nicht nur die Gewissheit seiner Anwesenhe mit, nicht nur die beruhigende Zusage seines Schutzes, vielmehr, er gibt mir sogar die Verheissung, dass es mich nicht treffen wird, wenn ich ihm von ganzem Herzen vertraue. Ist das nicht gewaltig?

Br. Martin M. Planzer


Freitag, 1. Mai 2020

Das Gnadenbild Unserer Lieben Frau im Stein (Originalzustand: farblich gefasste Steinfigur aus dem 17. Jahrhundert)
Die Gnadenkapelle und das Gnadenbild wurden während der Schliessung gereinigt – bereit für die Pilgerinnen und Pilger!

Zum Trost - ein WORT

«Selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
was der HERR ihr sagen liess» (Lukas 1,45)


Maria – Trost der Betrübten

Seit Wochen ist der Zugang zur Gnadenkapelle geschlossen. Das kam in der Vergangenheit schon verschiedentlich vor, z.B. während der Reformation in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts, im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert während der Wirren und kriegerischen Ereignisse der Französischen Revolution, in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, als der Zugang der Kapelle neu gestaltet und die Grotte selber renoviert wurde. Doch stets haben die Menschen während dieser Unterbrechungen die Treue bewahrt zu Unserer Lieben Frau «im Stein», zur Mutter vom Trost.
Denn die Menschen wissen: Maria hat Sprechstunde rund um die Uhr, ihr mütterliches Herz, unter dem der Gottessohn neun Monate lang zum Menschen-sohn wurde, steht offen zu jeder Tages- und Nachtzeit, da muss kein Abstand eingehalten werden, niemand muss sich anmelden und Schlange stehen. Sie hat ein Ohr für alle grossen und kleinen Sorgen und Anliegen. Ob daheim oder unterwegs, ob in der Mariasteiner Gnadenkapelle oder irgendwo: Maria ist überall zu Hause, überall warten Menschen auf sie, gehen ihr entgegen, nehmen sie dankbar auf und begrüssen sie freudig, wie damals Elisabeth es tat. Bei Maria lernen wir, was Gottvertrauen heisst und sich gedulden in schweren Zeiten, was es bedeutet um Trost und Hoffnung zu bitten in trostlosen Lebenslagen, wie schön es ist, in der Stunde des Abschieds sich von ihr an der Hand nehmen zu lassen.


«MARIA: Du Heil der Kranken – bitte für uns! Du Trost der Betrübten – bitte für uns! Du Hilfe der Christen – bitte für uns, jetzt und in der Stunde unseres Todes!» AMEN.

Abt Peter von Sury


Sonntag, 26. April 2020

Der heilige Evangelist Markus. Sein Attribut ist der Löwe.
Darstellung im Chorgetäfer der Klosterkirche Mariastein.
Das Holzrelief ist ein Werk von Br. Gall Gschwend (1692-1742)

Zum Trost - ein WORT

    «Auch spendet der Herr dann Segen,
    und unser Land gibt seinen Ertrag» (Psalm 85,13)


Segen – vom Anfang bis zum Ende

Kaum zu glauben. Vor einem Monat, am 25. März, schrieb ich, bereits mitten in der Corona-Krise, an dieser Stelle einen Impuls zum Fest der Verkündigung des Herrn. Die Krise dauert, die Auseinandersetzungen um die «richtige» Ausstiegsstrategie werden heftiger, Nervosität und Ungeduld nehmen zu, die Folgen des wochenlangen Ausnahmezustands werden drückender, die Perspektiven bleiben vage und verhangen. Trotzdem: Wir stehen unter dem Segen Gottes! Als Gesegnete dürfen wir unseren Weg weiter gehen!
Heute ist das Fest des Evangelisten Markus. Seine Schrift beginnt klar und eindeutig: «Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes». EVANGELIUM! Gute Nachricht! Frohe Botschaft! Freudige Kunde! Mitten in der Krise, mitten in Angst und Verunsicherung wird das Evangelium verkündet: In Jesus, dem Auferstandenen, sind wir vom Vater «mit allem Segen seines Geistes gesegnet … Durch CHRISTUS habt ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung». Der Epheserbrief beginnt, wie die Schöpfung begann: Gott segnete die Fische und die Vögel, die Tiere und die Menschen, Frau und Mann: «Seid fruchtbar und mehret euch!» Die Bibel berichtet davon auf der ersten Seite. Von heute an bitten wir am Ende der Messfeier um den Segen in besonderer Eindringlichkeit. Es ist der WETTERSEGEN: Gott gewähre uns «gedeihliches Wetter … ER bewahre uns vor Überschwemmung und Dürre und schenke uns alles, was wir zum Leben brauchen». Auf dem Hintergrund der aktuellen Erfahrungen – Pandemie und Trockenheit – merken wir intuitiv: Das sind keine leeren Floskeln, nein, sondern Ausdruck geschöpflicher Demut: «Herr, dir in die Hände / Sei Anfang und Ende, / Sei alles gelegt!». AMEN

Abt Peter von Sury


An der großen Orgel der Basilika spielen der Kirchenmusiker des Klosters Mariastein, Christoph Anzböck, 19. April 2020

Johann Sebastian Bach: Präludium G-Dur BWV 541

Ein Werk von übersprühender Freude und Lebendigkeit, ein grosser Osterjubel - so kann man das Präludium in G-Dur BWV 541 von Johann Sebastian Bach bezeichnen, das passend zum 2. Sonntag der Osterzeit erklingt.

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Ein überschwänglich jubilierendes Manualsolo, das den ganzen Klangraum des Instruments vom hohen g'' bis zum tiefen D durcheilt steht am Beginn dieses souveränen Meisterwerkes. Komponiert hat Bach es wohl in seinen allerersten Jahren in Leipzig, also den Zwanzigern des 18. Jahrhunderts. Nach der freudigen Eröffnung und einem Aufschwung der Solostimme ins strahlende hohe g stimmen im zwölften Takt die anderen Stimmen festlich mit ein. Im Bass stellt sich nun eine Figur thematisch besonders in den Vordergrund, die etwa an das Bassostinato der Choralbearbeitung "Heut triumphieret Gottes Sohn" im Orgelbüchlein erinnert; hier wie dort vermittelt sie den Affekt sprühender Freude. Durch ihre Vitalität führt sie das freudig-erregte Momentum des Beginns fort und entwickelt es weiter. In der Folge entfaltet sich ein architektonisch meisterhaft gegliedertes, durch die wechselnde Dichte des Satzes sehr vielseitiges musikalisches Gebilde, das schliesslich in einem kurzen Orgelpunkt auf der Dominante der Tonart mit kecken Akkordeinwürfen der rechten Hand kulminiert ehe es entspannt zur Ruhe kommt.



An der großen Orgel der Basilika spielen der Kirchenmusiker des Klosters Mariastein, Christoph Anzböck, und das Ensemble ad⋅petram. Sonntag, 12. April 2020

Regina Caeli laetare!

Bonifazio Graziani (ca. 1604-1664)

Regina Caeli

Freu dich, du Himmelskönigin, Halleluja.
Den du zu tragen würdig warst, Halleluja, er ist auferstanden, wie er gesagt, Halleluja.
Bitt Gott für uns, Halleluja.

Auf die Klage der Jungfrau Maria am Kreuz ihres Sohnes  am Palmsonntag folgt heute der österliche Jubelruf "Freu dich, du Himmelskönigin!". Das "Regina Caeli" ist eine der vier sogenannten marianischen Antiphonen, die sich im Jahreskreis abwechseln und täglich das Stundengebet der Kirche beschliessen. Auch wir sind eingeladen, in den nächsten fünfzig Tagen bis Pfingsten in diesen freudigen Ruf einzustimmen.

Bonifazio Graziani ist einer der bedeutendsten Komponisten geistlicher Musik in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. In seinem Schaffen nimmt das neue barocke Element des monodischen Stiles, das höchste emotionale Expressivität und Textausdruck erlaubt, neben dem alten polyphonen Stil der Renaissance bereits einen grossen Raum ein. Auch diese Vertonung der marianischen Antiphon für lediglich eine Solostimme und Generalbassbegleitung steht ganz in dieser neuen stilistischen Sprache. Durch seine Stellung als Kapellmeister am "Seminario Romano" und der dazugehörigen Kirche "Il Gesù", der Mutterkirche der Jesuiten, wurde Graziani zu einer künstlerischen Autorität für ganz Europa.

Mirjam Striegel, Sopran
Guilherme Barroso, Theorbe

Zur Aufnahme


Osterzeit

Zum Trost - ein WORT

Osterzeit 2020 in der Coronazeit

Ostern
Auferstehung
Jesus hat den Tod bezwungen.
Hilft ER unserer Welt, natürlich mit unserem Zutun, auch die gegenwärtige Pandemie zu überwinden, zu überstehen und zu überleben?
Und vor allem steht ER uns bei durch seinen Heiligen Geist, notwendige Konsequenzen zu erkennen und sie in die Tat umzusetzen?
Ostern
Hoffnung

P. Augustin Grossheutschi


Karfreitag, 10. April 2020


Karfreitag 2020 einmal anders. Die Mönche feiern nicht die Karfreitagsliturgie um 15h, damit die Kirche für das stille Gebet der Gläubigen offen bleiben kann. Dafür halten sie abends eine Kreuzweg-Andacht in der Kirche.


Mittwoch, 8. April 2020

Zum Trost - ein WORT

Vertrauen statt Furcht

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Der obige Liedtext, der zum Liederschatz von Taizé gehört, weist uns hin auf Jesus, der uns Hoffnung, Freude, Stärke, Licht, und Zuversicht sein kann, was Grund dafür ist, dass wir auf ihn vertrauen können und daher  keine Furcht, keine Angst, haben müssen.
Der schwarze amerikanische Freiheitskämpfer Martin Luther King sprach in einer seiner Predigten von den Kräften, mit denen wir der eigenen Angst begegnen können. Er gibt den Rat: Der Angst unerschrocken ins Auge blicken. Nur mit Unerschrockenheit kann man erkennen, welche Ängste wirklich begründet und welche nur eingebildet sind.
Die Angst mit Mut überwinden. Mut macht es möglich, trotz Hindernissen und beängstigender Situation vorwärts zu gehen. Die Angst durch die Liebe bezwingen. «Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht (1 Joh 14,18)».  Die Liebe schafft die Voraussetzung für ein angstfreies Zusammenleben.
Die Angst durch den Glauben besiegen. Es ist ein Unterschied, ob ich mich einsam und verloren fühle, oder ob ich hinter allem Geschehen in dieser Welt einen Gott wahrnehme, dessen Liebe die ganze Menschheit umschliesst.

Gott, ich vertraue auf dich und fürchte mich nicht!

P. Augustin Grossheutschi


Palmsonntag, 5. April 2020

 

Palmsonntag 2020 in Mariastein im abgeschlossenen Kreuzgang-Garten, aber doch verbunden mit den Pilgern.

 

 


An der großen Orgel der Basilika spielen der Kirchenmusiker des Klosters Mariastein, Christoph Anzböck, und das Ensemble ad⋅petram

Pianto della Madonna

Giovanni Felice Sances (ca. 1600-1679)

Stabat Mater dolorosa

Mirjam Striegel, Sopran
Guilherme Barroso, Theorbe
Christoph Anzböck, Orgel

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Hören sie online: Zur Aufnahme


Samstag, 4. April 2020

Zum Trost - ein WORT

Lohnender Verzicht

«Ein Athlet verzichtet auf vieles, um zu gewinnen. «
(Paulus im 1. Korintherbrief  9,25)


Es geht gegen das Ende der Fastenzeit – für viele auch eine Zeit, um auf etwas zu verzichten und sei es noch so wenig. Wie ist das Jugendlichen zu vermitteln? – Zu Beginn der Fastenzeit war ich eingeladen zu einem ökumenischen Jugendgottesdienst zu diesem Thema.
Doch es kam anders. Dieser Anlass war die erste Absage wegen des Corona Virus. Ja, was hätte ich diesen Jugendlichen gesagt? Ich lebe als Mönch, verzichte auf eine Familie, lege was ich für das Kloster verdient habe in die gemeinsame Kasse und verzichte auch darauf, das zu tun und zu lassen wonach mir gerade steht, weil ich Gehorsam versprochen habe.
Ob das Jugendlichen beeindruckt hätte? Ich weiss es nicht, denn auch ich kann mir vieles leisten, wovon die Ärmsten dieser Welt nur träumen. Ich setze mich jeden Tag an einen reich gedeckten Tisch in einem schönen Haus und muss mir keine Gedanken darüber machen, wie es auf den Tisch kommt. Ich darf in die Ferien verreisen, benutze die neuste Computertechnologie usw.
Es kam nicht dazu, dass ich den Jugendlichen etwas mehr oder weniger Überzeugendes zum Verzichten sagen konnte. Durch all die Einschränkungen der letzten Wochen mussten sie Verzicht üben. Das Leben hat uns alle angehalten zu verzichten, zwar unfreiwillig. Wenn wir nun durch diesen aufgezwungenen Verzicht doch etwas Gutes am Verzichten entdeckt haben wie z.B. mehr Lebensqualität durch Entschleunigung, weniger Geld für eigene Bedürfnisse ausgeben und dafür Arme zu unterstützen, dann haben wir durch diese Krise etwas gewonnen. Dann verzichten wir in Zukunft freiwillig auf etwas und sagen mit der bekanntesten Frankl Schülerin Elisabeth Lukas:

„Sinnvoller Verzicht ist der Schlüssel zum Glück».


P. Ludwig Ziegerer


Donnerstag, 2. April 2020

Zum Trost - ein WORT

Vertrauen

So spricht der Herr:
Gesegnet der Mensch, der auf den Herrn vertraut und dessen Hoffnung der Herr ist.
Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt:
Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, er hört nicht auf, Frucht zu tragen. Jer 17,7-8


Vertrauen ist das, was es im Moment in grossem Masse braucht. Vertrauen, dass es weitergeht, Vertrauen, dass es aufwärts geht, Vertrauen, dass es vorbei geht. Es braucht Vertrauen in das Gesundheitswesen mit all den unterschiedlichen Personen, die Wirtschaftsleute, die Politikerinnen und Politiker. Sie entscheiden, sie sagen, was wir tun dürfen und was nicht mehr erlaubt ist. Aber das Wichtigste ist das Vertrauen in sich selbst, in die eigene Kraft und in Gott.
Wir sind wie ein Baum mit seinen Wurzeln, dem Stamm, den Ästen, Blättern, Blumen und Früchte.
Die Wurzeln sind unser Fundament, von da bekommen wir die Kraft und die nötige Energie um zu wachsen und standhaft zu bleiben. Unser Glaube, das Vertrauen in Gott ist unser Fundament. Hält es auch in dieser Zeit noch? Oder ist es am Wegbrechen?
Der Stamm, er trägt uns und alles was daraus wächst. All unsere Aufgaben, Begegnungen, Erlebnisse, Herausforderungen lassen uns wachsen so wie ein Baum wächst. Und dieses Wachsen prägt. Wir können es sehen, wenn wir den Baumstamm genauer betrachten. Wir sehen unzählige Ringe, es sind dünne, aber auch dickere und kräftige. Im Stamm haben sich die guten wie auch die schlechten Zeiten eingezeichnet. Und jeden dieser Ringe braucht es damit der Stamm zu dem wird, was er ist. Jeder Ring erzählt seine eigene Geschichte. So wird auch dieses noch junge Jahr eine Geschichte erzählen, und es wird sich auch da ein Ring bilden. Was auch immer er zu erzählen hat, es gehört dazu. Und weitere neue Ringe werden dazukommen.
Und die Äste wachsen weiter, Blätter spriessen, der Baum blüht, bringt Früchte. Auch wir wachsen, blühen und bringen Früchte hervor.
Der Baum geht nicht zugrunde, er hat ein starkes Fundament, das ihn trägt und versorgt. Auch bei Hitze und in trockener Zeit grünt er weiter.
So können und dürfen auch wir auf ein starkes Fundament vertrauen. Gott ist es, der uns auch in dieser speziellen und schwierigen Zeit, trägt und begleitet. Er lässt uns nicht im Stich. Gehen wir in diesem Vertrauen und mit Gottes Segen in die nächsten Tage.

Olivia Forrer, Wallfahrtsassistentin


Dienstag, 29. März 2020

Zum Trost - ein WORT

«Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet;
… denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark» (zweiter Korintherbrief 12)


Die Antwort: «Meine Gnade genügt dir» erhielt der Apostel Paulus in einer Zeit grosser Bedrängnis auf seine Bitte hin, er möge von der zermürbenden Drangsal befreit werden.
Mit den Worten «denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark» gibt Paulus seiner persönlichen Erfahrung und Überzeugung Ausdruck, wenn er sich auf schwere und schwierige Situationen in seinem Leben zurückbesinnt.
«Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet». Paulus hat um Befreiung von seinem schweren Leiden gebeten, doch seine Bitte wird nicht erhört. Es wird ihm gesagt, dass die Gnade, die er bekommen hat, genügt. In einem Kommentar zu dieser Schriftstelle heisst es: «Die göttliche Gnade wirkt sich für den Menschen als Kraft aus. Diese Kraft aber kommt umso reiner zur Wirkung und Erscheinung, je schwächer die Menschenkraft ist, in der sie mächtig wird. Denn dann, wenn der Mensch augenfällig unvermögend ist, wird offenbar, dass hier nicht Menschenkraft am Werk ist, sondern Gotteskraft».
Der Apostel ist sich bewusst, dass Gottes Gnade erst, und erst recht, in seiner eigenen Schwachheit zur Vollendung kommt. Die Schwachheit ist die Möglichkeit im menschlichen Leben, wo die Kraft Gottes wirksam wird. Darauf vertraut Paulus; darauf dürfen auch wir vertrauen, gerade in schwierigen Situationen und Zeiten, die auch uns nicht erspart bleiben.

«Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertrau ihm, er wird es fügen». AMEN. (Psalm 37)


P. Augustin Grossheutschi


5. Fastensonntag, 29. März 2020

Predigt von P. Lukas Schenker

Zum Nachlesen


Christoph Anzböck an der grossen Mariasteiner Orgel. Sonntag, 29. März 2020

Felix Mendelssohn Bartholdy: Präludium c-Moll op. 37 , 1

"Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf."⋅⋅

Ezechiel 37,12b

Zur Aufnahme


Mit dramatischem Gestus eröffnet Felix Mendelssohn Bartholdy sein Präludium in c-Moll, das um dasselbe Jahr 1836 entstand, in dem auch die große Orgel des Klosters Mariastein fertiggestellt wurde. Dieses Werk lässt sich als gleichsam bildliche Tondichtung über das Prophetenwort aus der ersten Lesung des fünften Fastensonntages hören. Alle Parameter scheinen die endzeitliche Vision zu unterstreichen: die Tonart c-Moll, prädestiniert für grosse, schicksalhafte Momente; die Tempovorschrift "Vivace", die den aufgeregten, nervösen Charakter des Stückes verstärkt; das Hauptthema mit seiner emporstrebenden Oktav am Beginn – ein Aufreißen, ein Emporziehen. Deutlicher ließe sich das Bild des jüngsten Tages kaum in Musik fassen. Das stetige, unaufhaltsame Pochen des Pedals am Beginn des Stückes wandelt sich erst nach vielen Takten in langgezogene Linien um, auch das aufgeregte Thema mit der Oktav wird ihm anvertraut. Kurz lässt eine Modulation nach Es-Dur versöhnlichere Töne anklingen, doch schon bald kehrt der dramatische Gestus zurück. Es ist noch nicht der Osterjubel, den wir hören, doch es ist eine deutliche Vorahnung.



Ein Tipp: Verwenden Sie externe Lautsprecher oder Kopfhörer für bessere Audioqualität!



Mittwoch, 25. März 2020

Zum Trost - ein WORT

„Fürchte dich nicht, Maria!“ (Lukas 1,30)


Sonnenaufgang

Wir treffen uns wie immer um halb sieben Uhr morgens zur Laudes, dem klösterlichen Morgengebet. Es ist die Zeit, in der die Sonne aufgeht. Es tut gut, sich in einer bewährten Tagesordnung und festen Ritualen anzuvertrauen. Das Gebet beginnt ganz einfach: „Herr, öffne meine Lippen, so wird mein Mund dein Lob verkünden“. Ebenso einfach hört es auf: „Es segne euch und all unsere Brüder und Schwestern der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist“.

Das haben wir heute so eingeführt: „all unsere Brüder und Schwestern“. Eine kleine Änderung, die uns in den momentanen Belastungen viel bedeutet. Wir erbitten den Segen Gottes für alle. Die Rede von der Menschheit ist keine Floskel, sondern erfahrene Realität: Die Sonne geht auf über Bösen und Guten, wir sind Kinder des einen Vaters. Gleicherweise bitten wir dreimal des Tags: „Die Hilfe Gottes bleibe allezeit mit uns – und mit all unseren Brüdern und Schwestern.“

Heute verbindet sich mit dem Sonnenaufgang eine gute Nachricht. Der Engel tritt bei Maria ein. „Fürchte dich nicht!“ ist sein erstes Wort. Sie gibt ihm ihr JA, sie ist in guter Hoffnung, in ihrem Schoss beginnt neues Leben zu keimen. Jesus ist am Kommen. Neun Monate vor Weihnachten ist Maria die Morgenröte, die den neuen Tag ankündet: „Maria, Unsere Liebe Frau im Stein – bitte für uns.“ AMEN.

Abt Peter von Sury


Montag, 23. März 2020

Sonnenuhr an der Südwand der Klosterkirche (22.3.2020, 17.55 Uhr)

„Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht; Und immer wird ein Mund sich üben, der Dank für deine Taten spricht“
aus dem Lied „The day Thou gavest, Lord, is ended“

« Déjà levé sur d’autres terres Le jour éveille les cités ; Ami des hommes, vois leur peine Et donne leur la joie d’aimer »
aus dem Gebetbuch « Prière du temps présent »

Zum Trost - ein WORT

„Die Sonne frohlockt wie ein Held und läuft ihre Bahn. Am einen Ende des Himmels geht sie auf und läuft bis ans andere Ende …“ (Psalm 19,6f)

Es ist Zeit

Ungewollt, ungeplant, unfreiwillig haben viele von uns auf einmal viel Zeit. Die erste Woche war eine Zeit der Umstellung, jetzt folgt die anspruchsvolle Umgewöhnung an einen Alltag, der kein Alltag ist, sondern Ausnahmezustand. Ausnahmsweise viel Zeit. Ungläubiges, verblüfftes, leicht verwirrtes Staunen: „Du liebe Zeit!“ Doch wohin mit der lieben Zeit? Vieles kann angepackt, erledigt, in Ordnung gebracht werden. Ich nahm mir Zeit, wieder einmal die Schuhe zu putzen. Und Zeit, Kontakte zu pflegen.

Aber es ist auch eine böse Zeit. Das bekommen wir immer drückender zu spüren. Bei uns im Kloster fallen die Aussenkontakte weg. Keine Führungen, keine Gruppen, keine Menschen mehr, denen wir den Klostergarten zeigen, die Sonnenuhr und ihre lateinischen Worten erklären können: „Omnes vulnerant – ultima necat“. Jede Stunde kratzt am Leben, die letzte bringt es zum Sillstand. Die Zeit läuft uns davon, bis uns die letzte Stunde schlägt.Doch die Welt steht nicht still. Das Leben geht weiter. Die Sonne geht unter und läuft ihre Bahn, sie geht wieder auf, auch über den bösen Zeiten, weckt Leben, bringt Licht und Wärme. Sie lässt uns hoffen auf bessere Zeiten.
Darum singen wir hinter den Klostermauern, jeden Tag, für uns, für euch, für alle: „JESUS: Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit!“ AMEN.

Abt Peter von Sury

 

 


Predigt und Text zum 4. Fastensonntag, Sonntag, 22. März 2020


Christoph Anzböck an der grossen Mariasteiner Orgel

 Zur Aufnahme: BWV 622

Mensch, bewein dein Sünde groß (BWV 622)

O Mensch bewein dein Sünde groß /
darum Christus seins Vaters Schooß /
äußert und kam auf Erden :/:
Von einer Jungfrau rein und zart /
für  uns er hie geboren ward /
er wolt der Mittler werden.
Den Todten er das Leben gab /
und legt darbey all Kranckheit ab /
biß sich die Zeit herdrange /
daß er für uns geopffert wird /
trug unser Sünden schwere Bürd /
wohl an dem Creutze lange. […]

Text: Sebald Heyden 1525, Melodie: Matthias Greiter 1526

In seiner ungeheuer ausdrucksstarken Gestaltung dieser Choralbearbeitung schafft Johann Sebastian Bach ein musikalisches Pendant jener Bilder, die der frühreformatorische Kirchenlieddichter Sebald Heyden in seinem vielstrophigen Passionslied evoziert. Und ebenso, wie Heyden die Ereignisse von der Geburt Jesu bis zu seinem Kreuzestod in der ersten Strophe – gleichsam als Inhaltsangabe – vorausschickt, lässt Bachs Musik jene Aura der Kontemplation entstehen, die sich bei der Beschäftigung mit der Passionsdichtung insgesamt einstellt. (vgl. Sven Hiemke: Johann Sebastian Bach Orgelbüchlein, Bäernreiter, Kassel 2007)

Ein Tipp: Verwenden Sie externe Lautsprecher oder Kopfhörer für bessere Audioqualität!


Hochfest des Heimgangs unseres hl. Vaters Benedikt, Samstag, 21. März 2020

Bilder der hl. Messe in der Benediktskapelle



„Jetzt tritt er in die heil’ge Stadt, erreicht das Ziel nach langem Weg, und schaut das Antlitz seines Herrn, das seine Sehnsucht stets gesucht“

aus dem Lied zum Morgengebet am 21. März

Zum Trost - ein WORT

«Kostbar ist in den Augen des Herrn
das Sterben seiner Frommen» (Psalm 116,4.15)


Heimgang

„Wie sieht für Sie ein guter Tod aus?“ So lautete die erste Frage, welche die beiden Journalisten am 27. Februar der Ärztin Erika Preisig und mir stellten. Das Interview über den assistierten Suizid erschien am 9. März in der Zeitung. Seither redet niemand mehr über assistierten Suizid, keiner stellt Fragen über einen guten Tod. Der Kampf gegen das Virus hat in wenigen Tagen absolute Priorität erlangt und lässt uns kaum noch an anderes denken.

Trotzdem möchte ich auf den guten Tod zu sprechen kommen. Das könnte die grossen Ängste vor der Pandemie etwas mildern. Ja, man kann gut sterben. Gefasst und aufrecht ging der heilige Benedikt am 21. März 547 von dieser Welt. Wir Benediktinermönche nennen seinen Todestag „Heimgang“. Die Szene, wie er, gestützt von seinen Brüdern, kurz vor seinem Tod die heilige Kommunion empfängt, ist in unserer Kirche eindrücklich dargestellt. Benedikt habe ein paar Tage zuvor angeordnet, man solle sein Grab ausbuddeln. Für uns Mönche ist es eine geistliche Übung, dass wir uns häufig den unausweichlichen Tod vor Augen halten, in der Hoffnung, dass es ein Heimgehen sein wird.

Wir beten für alle, die Angst haben vor dem Sterben, vor dem Virus, vor der Zukunft. Die Augen des Herrn mögen voll Erbarmen auf uns schauen, damit wir einen guten Heimgang haben, früher oder später. AMEN.

Abt Peter von Sury


Hochfest des hl. Josef, Patron der Kirche, Donnerstag, 19. März 2020

Abt Peter in der Josefskapelle

Predigt von P. Augustin Grossheutschi

  

Zum Trost - ein WORT

«Die zum Himmel emporstiegen und hinabfuhren in die tiefste Tiefe,
so dass ihre Seele in der Not verzagte,
die wie Trunkene wankten und schwankten,
am Ende waren mit all ihrer Weisheit» (Psalm 107,26f)

Schicksalsgemeinschaft

Der Kontrast könnte nicht krasser, nicht schärfer sein, und er tut weh: Draussen strahlt milde die Sonne, der Himmel wölbt sich wolkenlos blau, die Natur ist förmlich am Explodieren in frühlingshaftem Überschwang. Gleichzeitig fegt eine Krise orkanartig durch unsre Köpfe und Gemüter, durch Häuser und Familien, Betriebe und Schulen, durch KITAS und Spitäler; vom Sport über die Wirtschaft und Kultur, von der Politik auf allen Ebenen bis in die Kirchen und Klöster bleibt kein Lebensbereich verschont vom Corona Virus.

«Am Ende mit all ihrer Weisheit». Wer hätte das gedacht. Wir tun das, was der Bundesrat anordnet, wir gehorchen und befolgen, wozu wir geheissen sind. Mit Bangen und grosser Verunsicherung, ja, doch allermeist ohne Murren und Jammern. Wie Josef, der Heilige vom 19. März. Da steht er, mitten in der Bibel, mitten im Leben. Tut was zu tun ist, hier und jetzt, wortlos, klaglos. Er versteht nicht was geschieht. Vielleicht ahnt er etwas, einen fernen Frühling.

Wir denken an Euch alle, liebe Freunde und Pilgerinnen, Angehörige und Bekannte, Wohltäter und Freiwillige, Gäste und Mitarbeiterinnen. Wir hoffen auf bessere Zeiten und vertrauen auf die Fürbitte von Maria und Josef; sie vermögen viel bei Jesus, ihrem Kind, unserm Heiland. Er schenke allen sein göttliches Erbarmen. AMEN.

Abt Peter von Sury


Impressionen