Laudo deum verum, plebem voco, congrego clerum, defunctos ploro, pestem fugo, festa decoro, est mea cunctorum terror vox dæmoniorum.
Ich lobe den wahren Gott, das Volk rufe ich, ich versammle den Klerus, die Toten beweine ich, die Seuche verjage ich, die Feste ziere ich, meine Stimme ist der Schrecken aller Dämonen.
(alte, weit verbreitete Glockeninschrift)
Auf kein anderes Musikinstrument trifft der in dieser Glockeninschrift formulierte «Stellenbeschrieb» zu als auf die Glocke. Als Musikinstrument kann die Glocke diese verschiedenen Aufgaben erfüllen. Denn sie gibt nur ein hörbares Zeichen, anders als zum Beispiel der Ruf des Muezzins, der mit Worten eine Botschaft verkündet und eigentlich ein Glaubensbekenntnis ist. Die Glocke an sich ist neutral. Je nach Situation kann ihr Erklingen ganz Unterschiedliches bedeuten. Für den kirchlichen Dienst werden Glocken durch einen besonderen Ritus und durch die Inschriften geweiht.
Hier in Mariastein ertönen mehrere Glocken. Im Rhythmus des Tages und des Kirchenjahres geben sie einzeln oder miteinander das Zeichen zum Gebet, sei es zur Eucharistiefeier, zum Chorgebet oder zum Angelusgebet. Zur Vesper ertönt das «benediktinische» Reihenläuten, welches bereits in frühmittelalterlichen Gebräuchebüchern (consuetudines monasticæ) aufscheint, die mit Einsiedeln oder Cluny in Verbindung stehen. Auch die letzte Reise eines Mönchs wird mit besonderem Geläute kundgemacht und begleitet. Die zweitgrösste Glocke (Maria) hat die besondere Aufgabe, Hagel und Unwetter zu bannen.
Die folgenden Glocken, welche regelmässig läuten, sind in der Glockenstube zuoberst hinter der Fassade der Basilika untergebracht. Ihr Läuten ist automatisiert und folgt genauen liturgischen Regeln.
Glocke 1 ist dem hl. Placidus geweiht, einem Schüler des Mönchsvaters Benedikt von Nursia und Namenspatron von Abt Placidus Ackermann, der nach der französischen Besetzung 1798 die Wallfahrt neu belebte und die gesamte Klosteranlage baulich umfassend erneuerte. Für die neue Glockenstube bestellte er bei François Robert-Rollet in Urville (Vogesen) neue Glocken.
[gis° (+5); Ø 175 cm; 3060 kg; 1832; F. Robert-Rollet aus Urville, Vogesen]
Glocke 2 ist der Gottesmutter Maria geweiht, der Namensgeberin des Ortes und lächelnden Mutter vom Trost. Sie wird auch bei Hagel und anderem Unwetter geläutet.
[cis‘; Ø 150 cm; 1864; Gebr. Rüetschi aus Aarau; Umguss der gesprungenen Glocke MARIA]
Glocke 3 ist dem hl. Vinzenz von Saragossa geweiht, dem Patron der Basilika und des Klosters.
[e‘; Ø 118 cm; 1832; F. Robert-Rollet aus Urville, Vogesen]
Glocke 4 ist der hl. Gertrud von Helfta geweiht, der zweiten Patronin des Klosters und Mystikerin des göttlichen Herzens.
[g‘; Ø 110 cm; 1925; Rüetschi AG aus Aarau; Umguss und Vergrösserung der gesprungenen Glocke CÆCILIA]
Glocke 5 ist der hl. Agatha geweiht, der Schutzheiligen gegen Feuer, aber auch der Glockengiesser.
[ais‘; Ø 89 cm; 1832; F. Robert-Rollet aus Urville, Vogesen]
Glocke 6 ist dem hl. Mönchsvater Benedikt von Nursia geweiht, dem Patron der Benediktiner.
[cis“; Ø 70 cm; 1832; F. Robert-Rollet aus Urville, Vogesen]
Daneben hat auch die Gnadenkapelle ihr Glockentürmchen auf dem Dach der Alten Abtei. Die dort aufgehängten drei Glocken, darunter die älteste Glocke in Mariastein, das Marien-Glöcklein mit der Jahreszahl 1614, werden nur noch selten geläutet.
Zu den seltenen Gottesdiensten in der St. Annakapelle ertönt das dort montierte Glöcklein, welches noch mit dem Seil von Hand bedient werden muss.
Weitere Informationen zu unseren Glocken: Pater Bonifaz Born: Die Glocken von Mariastein: kleine Geschichte des Mariasteiner Geläutes (externer Link)
Hier finden Sie Aufnahmen des Geläutes der Basilika von Mariastein:
Geläute der Basilika 2007, freundlicherweise von Matthias Walter zur Verfügung gestellt
Glocken der Heimat (Radio SRF Musikwelle 02.11.2013) (externer Link)
GlockenTV (29.04.2019) (externer Link)
Robin Marti KirchenGlocken (Aufnahme 01.11.2025) (externer Link)
Weitere Links:
Johanna Haberer: Läutkultur, in: Der Sonntagsgottesdienst. Ein Gang durch die Liturgie (externer Link)