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Der Klosterpatron Hl. Vinzenz

Die Beinwiler Mönche haben den Hl. Vinzenz als Patron „mitgenommen“, als sie 1648 ihr Kloster nach Mariastein verlegten. Das ursprüngliche Patrozinium des Klosters Beinwil waren Alle Heiligen (1147); um 1150 kam es zu einem Patroziniumswechsel. Das dürfte mit dem Erwerb einer grossen Armreliquie des hl. Vinzenz zu tun haben, die noch heute im Besitz des Klosters ist und die durch alle Krisen der Klostergeschichte hindurch den Konvent auch in die Exil-Orte begleitete.

Der Hl. Vinzenz war Archidiakon des sprechbehinderten Bischofs Valerius von Saragossa in Spanien. In der Diokletianischen Verfolgung wurde er mit seinem Bischof nach Valencia verbannt. Dort erlitt er mit seinem Bischof ein grausames Martyrium. Man röstete ihn auf einem glühenden Eisenrost. Das geschah am 22. Januar um 304. Sein Attribut ist denn auch der Eisenrost zusammen mit einem Raben, der in seiner Legende eine Rolle spielte.

Das Patronatsfest in Mariastein findet jeweils am 22. Januar statt.

Tomás Giner (15. Jh.)

Die Hl. Gertrud von Helfta – Zweite Patronin

In der Barockzeit wurden in vielen Klöstern Zweitpatrone gewählt. In Mariastein kam der Wunsch nach einem Zweitpatron auf, als eine Neuausgabe eines Breviers (Buch für das Stundengebet) geplant wurde. Am 22. September 1684 wählte die Klostergemeinschaft die hl. Gertrud von Helfta offiziell zur zweiten Patronin unseres Klosters. So wurde die hl. Gertrud in das Brevier aufgenommen und wird jeweils am 17. November in Mariastein würdig gefeiert.

Warum gerade die heilige Gertrud von Helfta? Offensichtlich war sie zu dieser Zeit eine beliebte Heilige. Das dürfte auch in Zusammenhang stehen mit der damals sehr beliebten und weit verbreiteten Herz-Jesu-Verehrung. Gertrud von Helfta wird geradezu als Theologin des Herzens bezeichnet. Für sie steht das göttliche Herz in engstem Bezug zum Herzen des Menschen, das zur Wohnung Gottes wird. Zudem wurde die Feier des Festes der heiligen Gertrud 1674 für den Benediktinerorden von Rom gestattet. Und 1678 fand Gertrud Aufnahme ins grosse Heiligenbuch der katholischen Kirche, ins Martyrologium Romanum. Damit fand ihr Kult als Heilige die offizielle Anerkennung, obwohl sie nie heiliggesprochen wurde. Ihre Beliebtheit zeigt sich aber auch an den vielen Druckausgaben ihrer Werke schon im 16. und dann besonders im 17.Jahrhundert, auch in Übersetzungen ins Deutsche, Französische, Italienische und Spanische. Wir dürfen also vermuten, dass bereits vor dem Beschluss von 1684 im Kloster Mariastein die heilige Gertrud von Helfta verehrt wurde, sodass aus den Reihen der Mönche der Antrag kommen konnte, diese heilige Mystikerin zur Zweitpatronin des Klosters zu erheben.

P. Karl Stadler (20. Jh.)